Ein Zimmer spiegelt auch immer einen Teil der Persönlichkeit des Bewohners wieder und uns alle eint die Leidenschaft für Spiele. Seit vielen Jahren habe ich die Idee im Kopf diese Zimmer der Welt zu präsentieren.

Das Feedback auf meinen Bericht über Maus-san’s Café war immens und heute möchte ich einem weiteren Freund ein Denkmal setzen, der sich ein eigenes, kleines Spieleparadies aufgebaut hat: Ave. Ave kommt ursprünglich aus Deutschland, lebt jedoch in Kanada und ist nicht nur wegen seiner vorliebe für 2D-Shoot ‚em Ups ein großer Sega Saturn-Fan. Ave hat sich mit viel Liebe sich ein kleines Spieleparadies aufgebaut, welches sogar ein „Spielzimmer-in-einem-Spielzimmer“ beinhaltet. Ave legt seinen Fokus ebnfalls auf japanische Versionen der veröffentlichten Spiele.



Ave zeigt gut auf, dass „Nostalgie“ kein fester Begriff ist, der zeitlich begrenzt ist oder wie man oft hört einer bestimmten Art von alten Männern gehört, sondern ein sehr individuelles Thema ist. Ähnlich wie bei mir, erschloss sich ihm die ganze Bandbreite und die Zusammenhänge des Angebots japanischer Videospiele und Entwickler erst als Schüler in den 2000ern mit Unterstützung eines Internetanschlusses. Als Schüler fing er bereits an, hardcore Games zu spielen und zu sammeln – an einem Punkt wollte er sogar ein japanisches Fullset für den Sega Saturn sammeln. Ein sehr abenteuerliches Unterfangen, denn im Gegensatz zu Europa und den USA war der Saturn in Japan keineswegs ein Nischensystem, sondern ein erfolgreiches Unterfangen und brachte es auf über 1000 veröffentlichte Spiele.
Aves Sammlung ist aus meiner Sicht etwas besonderes, da hier nicht nur teure Spiele oder Toplisten im Regal aneinandergereiht werden, sondern auch nicht ganz ausgetretene Pfade erforscht werden. Wir finden hier neben Klassikern für die gängigen Systeme auch obskurere Schätzchen wie die in Taiwan veröffentlichte Version für Sega Saturn des chinesischen Rollenspielklassikers Xian Jian Qi Xia Zhuan oder authentische Spielautomaten samt Platinen aus Japan.


Ich habe Ave gebeten noch einige Dinge über sich preiszugeben.
GC Maguro: Woher stammst du?
Kanada, ursprünglich Deutschland
GC Maguro: Seit sammelst du Arcade-Boards?
Seit etwa 15 Jahren
GC Maguro: Wann hast du deine Heimspielhalle (Sammlung) aufgebaut?
Vor etwas über 20 Jahren fing ich als Schüler an, mir durch An- und Verkauf in Internetforen und auf eBay eine schnell wachsende Sammlung zu finanzieren. Ich habe das Sammeln zwischenzeitlich nie pausiert, aber die meisten hochwertigen und teureren Titel kamen erst in den letzten 10 Jahren hinzu, als ich endlich mit all meiner Ausbildung fertig war und auch mehr Platz für meine Sammlung hatte.
GC Maguro: Was sind deine bevorzugten Spiele?
2D Shooting Games sind mein Lieblingsgenre, aber ich mag auch Puzzle, Simulationen, und unkonventionelle Spielkonzepte. Spiele, mit denen ich sehr viel Zeit verbracht habe sind z.b.: Battle Garegga, Batsugun, OutZone, Tatsujin, Ikaruga, Dodonpachi Daioujou, Ketsui, Guwange, Esprade & Espgaluda, Tetris: TGM2+, Aqua Rush, Lup Salad, Guru Logi Champ, Mario’s Picross, Tokyo Bus Guide, LSD, Rez, Bomber hehhe, Pepsiman, und diverse Zugsimulationen, besonders aus der The Real Train Simulator-Serie.
GC Maguro: Was ist deine Lieblingserinnerung an Arcade-Spiele?
Als ich zum ersten Mal in Japan im Jahr 2007 diverse Spielhallen besuchte war ich begeistert von den Eindrücken, die durch die damaligen Fotos aus dem Internet nicht vermittelt werden konnten. Da waren beispielsweise die vielen teilweise in der Szene bekannten Profispieler, die in namhaften Spielhallen stundenlang in Spielen wie Dodonpachi Daioujou ihre riskanten Routen optimierten und dabei anders als auf superplay DVDs auch tausend Tode starben – die harte Arbeit und das lange Training sieht man auf den Replays nie, und den Prozess selbst sehen zu können hat mir damals einen grossen Motivationsschub gegeben, selbst Shooter weiter zu üben und besser zu werden. Auch die Mischung aus Adrenalin und erhöhter Risikobereitschaft, wenn man in einem Spiel gut spielt und sich hinter einem (gefühlt) Zuschauer ansammeln, war ein Gefühl das ich bis heute als unzertrennlich mit japanischen Spielhallen verbinde. Zu guter letzt die Atmosphäre des Hinsetzens mit einer kleinen Kaffeedose und einer (für mich imaginären) Zigarette bevor es an eine Runde Tetris oder Bubble Bobble geht. Der 2007 noch stark vorherrschende Zigarettengeruch in japanischen Spielhallen ist für mich auch als lebenslanger Nichtraucher deshalb nostalgisch, und ich habe passende Aschenbecher auf allen meinen Automaten um mich in diese Erinnerung zurück zu versetzen.
GC Maguro: Was kannst du noch über dich erzählen?
Als jemand der weder in Japan, noch in den 80er/90ern Arcadespiele spielte, habe ich mir meine Nostalgie für die japanische Spielekultur der 80er aus einer akuten Faszination als Teenager in den frühen 2000er Jahren selbst aufgebaut. Als ich in jungem Alter mit dem Sammeln begann, war ich über alle Maßen von den wenigen verfügbaren Fotos japanischer Spieleläden wie Sofmap, Liberty, A-too und Super Potato fasziniert, mit ihren endlosen Regalen voller farbenfroher Spiele in komplettem Zustand – eine Auswahl und Fülle gebrauchter Spiele, die in meiner Heimatstadt in Deutschland nicht vorstellbar war. Japanische Spiele bevorzugte ich schnell wegen des Verpackungsdesigns, und weil es die meisten meiner favorisierten Spiele ohnehin nur als japanischen Import gab.
Das Ziel meiner Sammlung heute ist es daher, mit meinem Zimmer den Flair japanischer Spielhallen und Game Shops gegen anno 2005 zu reproduzieren, als meine Begeisterung seinen Anfang nahm.
GC Maguro: Welches Item hättest du gerne noch?
Im Moment hätte ich noch gerne eine Armed Police Batrider PCB. Falls ich einmal mehr Platz haben sollte, wären mein extravagantester Luxustraum ein Egret 29 und ein cocktail table.





